Und eh man es sich versieht ist es also auch schon wieder vorbei – seid Samstag bin ich nun wieder in der angenehm kühlen Heimat, doch leicht haben sie es einem nicht gemacht: etwas müde vom zu spät ins Bett gehen machte ich mich am Samstag auf den Weg zum Flughafen – sogar brav 1,5 Stunden zu früh, da ich noch die Umbuchungsgebühr zu zahlen hatte. Nach langem Anstehen schaffte ich es dann auch irgendwann zum Check-in-Schalter – doch welche Freude – ich musste zum Zahlen zum Lufthansa-Ticket-Schalter. Dort empfing mich dann eine freundliche, aber sehr langsame und akribische Lufthansa-Angestellte die in aller Ruhe und mit einiger Verwirrung versuchte meine Umbuchung nachzuvollziehen. Auch als dann ein freundlicher Sicherheitsbeamter erschien und uns freundlich darauf hinwies, dass Bombenalarm wäre und wir den Flughafen umgehen zu verlassen hätten, ließ sie sich nicht hetzen und rechnete, addierte und tippte entspannt weiter. Irgendwann war es dann geschafft und wir verließen als eine der letzten den Flughafen…

Irgendwann aber ließ uns die Polizei dann doch wieder rein – und eh ich mich versah stand ich schon wieder in einer Schlange – diesmal aber wurde ich aufgefordert (da mein Flug gleich starten sollte) sofort einzuchecken und ohne weitere Umstände gelangte ich zum Flugzeug. In der Heimat angekommen musste ich dann allerdings feststellen, dass nur ich angekommen war, mein Gepäck aber in Warschau geblieben war…

Doch das Happy-end ließ nicht lange auf sich warten und so kam es gestern dann doch noch an – und ich also auch so richtig.

Dass in der polnischen Politik nicht alle uneingeschränkt Tolerant gegenüber Homosexuelle konnte man in letzter Zeit schon häufiger lesen – doch eine offizielle Untersuchung ob Teletubbies schwul sind? Klingt komisch – ist aber so: die Kinderrechtsbeauftragte der polnischen Regierung, Eva Sowinska, hat eine Expertengruppe einberufen, die untersuchen soll, ob die Teletubbies unterschwellig “homosexuelle Propaganda” betreiben. Vor allem der lila Teletubbie “Tinky Winky” steht in besonderem Verdacht: er hat eine als Junge eine Handtasche! Und dann tanzt er auch noch so neckisch! – Nur eben vielleicht nicht mehr lange in Polen..

Nachtrag:

“Ein bedeutender Sexualwissenschafter hat schädliche Auswirkungen der Fernsehserie auf Kinderseelen ausgeschlossen”

Die Zeit vergeht wie im Fluge und eh man es sich versieht steht man schon wieder auf der Straße – morgen um 13 Uhr werden wir uns mit Sack und Pack dort wieder finden. Zu schade, vor allem weil jetzt die Wohnung wirklich mal sauber ist – und auch noch ein paar Tage zu überbrücken sind. Doch nicht im wahrsten Sinne des Wortes – Hostel und Freunden sei Dank. Und auch das Wetter ist nach einer Woche brütender Hitze (über 30 Grad..) wieder abgekühlt, so dass es vielleicht auch nicht sooo gemütlich wäre – allerdings kennt man natürlich jetzt auch ein paar nette Brücken-Plätzchen!

Doch auch das Unbekannte zu entdecken macht ja Freude – daher geht es über das Wochenende noch nach Danzig – neue unbekannte Brücken warten also…

… die Love Parade. Und das Mitten in Warschau. Einfach so. Ohne großes Theater und zugegeben etwas kleiner. Vielleicht auch eher wie Fasching (= Karneval). Doch im Ergebnis sehr nett: auf höchst unterschiedlichen Trucks, Bussen, VW-Bussen oder auch Autos sind möglichst viele Studenten (wenn auch nicht immer als solche erkennbar) untergebracht – “sortiert” nach Uni oder auch Fachbereich. Zumindest größere Unis – unsere war nicht dabei, selbst so ein Auto war wohl zu groß… In der Regele wurde in den Trucks Techno/Dance gespielt, innen wurde getanzt und auch außen ein bisschen. Am beeindruckendsten war dann aber doch, dass das ganze ohne großes Absperren im Vorfeld funktionieren konnte: ein paar Polizisten fuhren vor dem ganzen Umzug (vielleicht 40 Wagen), aber nix mit Straße für Stunden vorher absperren – und hat dennoch alles geklappt. Hoch lebe Juvenalia!

Am Abend ging dann die Party in Konzerte über. In einem Sportstadion spielten polnische Bands polnische Weisen – ein bisschen so wie “Wir sind Helden” vielleicht. Auf jeden Fall ein gelungener Abend!

Wer hätte das gedacht: sie sind wirklich überall – die Zeugen. Da läuft man nichts ahnend “seine” Straße entlang, hat schon so gut wie das Haus erreicht und schon tauchen sie wie aus dem Nichts aus: zwei kleine Männlein, grau in grau mit einem schon fast zwanghaft anmutenden Lächeln. Und gut ausgerüstet sind sie dass muss man ihnen lassen: Nachdem ich ihnen klargemacht hatte, dass sie gerne Polnisch reden können, aber ich dann wohl eher nicht so viel verstehe, sie mir wiederum verdeutlicht hatten dass sie mit Englisch so ihre Probleme haben, holten sie voller Stolz DAS Zeugen-Buch heraus.

“Woher ich komme? Ah, Deutschland? Kein Problem!” Und eh ich mich versah hatten sie in ihrem Wunderbuch in dem ich sogar einige arabisch Schriftzeichen erkennen konnte, eine Seite auf Deutsch gezeigt die ich doch bitte SOFORT lesen möge – die Erleuchtung ist nahe. Mir war sie dann jedoch etwas zu nahe und ich floh; arme kleine graue Männchen.

Schön und gut, wenn der 1.Mai frei ist – besser noch wenn auch noch der 3.Mai frei ist. Vor allem wenn man bedenkt dass es dazwischen auch noch den 2.Mai gibt. Merken konnte ich bis jetzt allerdings noch nicht sehr viel von diesem freien Tag (gut, gut, vielleicht wäre es auch klüger gewesen nicht in der Wohnung darauf zu warten dass etwas passiert), denn zumindest der Supermarkt um die Ecke hat dennoch offen; doch vielleicht wird dieser besondere Tag dafür am Abend mit einem Feuerwerk oder ähnlichem begangen?! Denn immerhin wurde hier in Warschau, vor genau 216 Jahren, die erste moderne Verfassung Europas verabschiedet.

Umso bedauerlicher ist es, dass gerade diese demokratischen Erungenschaften derzeit etwas in Vergessenheit geraten, wenn vom ehemaligen polnischen Außenminister Geremek verlangt wird, sein Mandat als Europaparlamentarier niederzulegen; Hintergrund ist seine Weigerung Auskünfte über eine mögliche Vergangenheit mit dem kommunistischen Sicherheitsdienst zu erteilen, wie es nach dem “Lustrationsgesetz” (Durchleuchtung) Pflicht ist für Politiker, Professoren oder Journalisten. Das Europaparlament steht geschlossen hinter ihm – nur ob das die politisch Verantwortlichen in Polen beeindruckt bleibt abzuwarten.

Nachtrag:

Am Freitag hat nun das polnische Verfassungsgericht Teile dieses Gesetzes wieder gekippt – und konnte sogar am eigenen Leib spüren warum das auch gut so war… Mehr in diesem Artikel.

Brütende Hitze senkte sich über Europa. Über ganz Europa? Nein! Ein kleines Land widersetzte sich erfolgreich der Invasion – Litauen; Vilnius.

Gut also dort gewesen zu sein – hätte auch nicht gedacht, dass ich nochmal Schnee sehen würde. So wegen Klimakatastrophe und so. Aber Glück gehabt: zumindest an der Grenze konnte man noch einen Blick auf das kostbare Weiß erhaschen und auch in Vilnius selber verirrten sich ein paar kleine Flöckchen.

Apropos Vilnius: zwar handelt es sich hierbei um die Hauptstadt von Litauen – aber merken konnte man davon anfangs nicht so viel. Kleine, in den Außenbezirken oft auch verfallene, Häuschen ließen eher den Eindruck einer mittleren Kleinstadt aufkommen; wenn auch einer Kleinstadt mit vielen Kirchen. Mit Kirchen in denen scheinbar grundsätzlich eine Hochzeit stattzufinden haben muss. Und dann darf da natürlich auch kein Friedhof fehlen – Grund genug also gleich zwei zu besuchen: etwas verwildert, mit vielen Bäumen, auch Gräber natürlich. Nett, nett.

Erst vom Fernsehturm aus konnte man sehen (wenn auch eigentlich nicht fotografieren, denn das war verboten), wie groß Vilnius wirklich war, wie lang gezogen und wo die ganzen Leutchen untergekommen sind, denn auch große Wohnblockanlagen konnte man von oben ausmachen.

Nur gut also, dass es auch noch Trakai gibt. Die nun wirklich winzige, nicht weit von Vilnius entfernte neu aufgebaute, ehemalige, mittelalterliche Hauptstadt von Litauen. Und die Sonne schien dann dort auch plötzlich, so dass zumindest hier ein paar Postkarten-Bildchen von der Wasserburg gemacht werden konnten. Aber auch von den bunten Häusern, sowie von diesem sehr interessanten Hausexemplar; mal sehen wann sowas auch bei uns wieder Mode wird.

Doch nicht nur architektonisch hat Litauen so einiges zu bieten! Nein, auch kulinarisch: zwar war das traditionelle Dinner etwas gewöhnungsbedürftig (ähnlich wie in Polen gab es gefüllte Kartoffeltaschen nur größer, doch die Käse-Kartoffelbällchen waren wirklich gut!), dafür aber nicht das andere Kartoffelprodukt: der Vodka. Und auch noch billiger als in Polen… Auch sehr zu empfehlen ist der Trejos Devynerios, ein dem Jägermeister nicht unähnliches Tröpfchen. Ach ja und die Clubs sind auch nicht zu verachten, d.h. zumindest der in dem wir waren: anfangs eher einem Theater (Eingangsbereich, Treppe, Garderobe) ähnelnd, dann einer Cocktailbar – und schließlich dann doch noch Club-ähnlich mit Tanzfläche und Sitzmöglichkeiten.

Aber man ist ja nicht nur zum Spaß in Litauen – die Kultur rief und so machten wir auf dem Rückweg am Montag noch im Grutas-Park Stop. Doch schon wieder war erstmal Spaß angesagt: eher einem amerikanischen (?) Vergnügungspark ähnelnd empfingen uns Kinderspielplatz, ein Lama, Hirsche und zahlreiche Schweinearten mit ihren Jungen. Erst im hinteren Teil des Parkes konnte man dann den eigentlichen Zweck des Parkes ausmachen: zwischen Büschen und Bäumen verteilt standen bewusst deplatziert zahlreiche Statuen von Lenin, Stalin, aber auch Marx und anderen “russischen Helden” die vormals in litauenschen Städten gestanden hatten und nun daran erinnern sollten. Klappt auch, wenn auch auf etwas groteske Weise.

Do widzenia Warschau – wenn auch nur für kurz: um 23.00 heißt es Abschied nehmen denn dann geht es ab nach Vilnius, der Hauptstadt Litauens. In Kürze also vielleicht ein paar Bildchen, außer es ist wirklich so kalt wie angekündigt und der Akku (oder die verfrorenen Hände?) verweigert seinen Dienst… Bis Dienstag!

Viele Tage liegen nun zwischen dem letzten Eintrag; und wie wohl überall sonst auch, waren sie ausgefüllt mit viel Sonnenschein – doch eben leider auch mit einem kleinen Kreativitätsloch (was wiederum die Frage aufwirft, ob ein Loch etwas ausfüllen kann?). Heute nun war es vorbei mit der Sonne und der April meldete sich mit Regen, Sonnenschein und Wind eindrucksvoll zurück: Zeit also auch wieder für einen kleinen Eintrag! Von daher: liebes Tagebuch, es tut mir sehr leid, dass ich so lange nichts mehr geschrieben habe. Aber es geht mir gut. Es war einfach zu warm. Und es gab auch so viel zu tun: eine Präsentation war vorzubereiten, ja sogar zu halten. Auch hatte ich zumindest gestern und vorgestern den ganzen Tag Uni – und morgen steht ein Polnisch-Test an. Ich bin sehr aufgeregt. Gut, dass vorher die Tage eher ruhig waren – und sogar Zeit für zwei Fototouren in die Umgebung unseres Viertels blieb. Zum Sichten der Beute leider nicht. Doch vielleicht ja heute. Und dann liebes Tagebuch, werde ich Dir sofort die schönsten, interessantesten zeigen. Schade war nur, dass ich nicht die Bauarbeiter hatte fotografieren können, wie ich es mir schon die ganze Zeit vornehme. Doch vielleicht schaffe ich es noch und dann werde ich auch schreiben warum ich sie unbedingt fotografieren wollte! Es bleibt also weiter spannend! Ach ja, spannend war es auch heute für alle Polen und Ukrainer. Doch nun ist es raus: 2012 – Fuaßboi, Fuaßboi, Fuaßboi!

Ist das nicht schön? Schade nur, dass ich dann nicht mehr hier sein werde, denn in unserem Gästezimmer hätten wir leicht einen oder sogar zwei Fußballer unterbringen können und auch trainieren hätten sie gleich auf den Sportplätze vor unserem Fenster gekonnt – ganz klarer Vorteil, denn bis jetzt gibt es noch nicht so viele Trainingsmöglichkeiten, geschweige denn Stadien.

Fussball

Polnisches Ostern verpasse ich nun also, doch mein rudimentäres Wissen diesbezüglich, will ich dennoch gerne weitergeben: so gehen am Sonntag laut meiner Polnischlehrerin wirklich alle in die Kirche, auch die, die sonst nicht unbedingt gehen. Nicht wirklich überraschend, da man auch im nicht ganz so religiösen Warschau beim Besichtigen einer Kirche oft meint gerade in einen Gottesdienst zu platzen; doch sind die für deutsche Verhältnisse ungewohnt viele Leute nur zum Beten da, während beim wirklichen Gottesdienst (mehrere über den Sonntag verteilt, damit auch langschräfige Studenten die Möglichkeit haben hinzugehen) manche sogar noch vom Eingang aus versuchen etwas vom Gottesdienst mit zu bekommen. Nicht auszudenken also, wann man an Ostern da sein muss, um einen der Sitzplätze zu bekommen.

Am Abend findet dann noch ein Passionsspiel statt, das ich zumindest während einer Probe miterleben konnte: mit überdimensionalen Puppen wird die Geschichte Jesu nachgespielt, begleitet von einem Orchester, Chor und Solosänger. Zwar alles auf Polnisch, aber dennoch sehr unterhaltsam.

Genauso wie wohl der Ostermontag, an dem man am besten in Badehose rumläuft, da Brauch ist, sich gegenseitig (oder nur die Männer die Frauen?) mit Wasser zu begießen.

In diesem Sinne: trockene und frohe Ostern allen!

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