Brütende Hitze senkte sich über Europa. Über ganz Europa? Nein! Ein kleines Land widersetzte sich erfolgreich der Invasion – Litauen; Vilnius.
Gut also dort gewesen zu sein – hätte auch nicht gedacht, dass ich nochmal Schnee sehen würde. So wegen Klimakatastrophe und so. Aber Glück gehabt: zumindest an der Grenze konnte man noch einen Blick auf das kostbare Weiß erhaschen und auch in Vilnius selber verirrten sich ein paar kleine Flöckchen.
Apropos Vilnius: zwar handelt es sich hierbei um die Hauptstadt von Litauen – aber merken konnte man davon anfangs nicht so viel. Kleine, in den Außenbezirken oft auch verfallene, Häuschen ließen eher den Eindruck einer mittleren Kleinstadt aufkommen; wenn auch einer Kleinstadt mit vielen Kirchen. Mit Kirchen in denen scheinbar grundsätzlich eine Hochzeit stattzufinden haben muss. Und dann darf da natürlich auch kein Friedhof fehlen – Grund genug also gleich zwei zu besuchen: etwas verwildert, mit vielen Bäumen, auch Gräber natürlich. Nett, nett.
Erst vom Fernsehturm aus konnte man sehen (wenn auch eigentlich nicht fotografieren, denn das war verboten), wie groß Vilnius wirklich war, wie lang gezogen und wo die ganzen Leutchen untergekommen sind, denn auch große Wohnblockanlagen konnte man von oben ausmachen.
Nur gut also, dass es auch noch Trakai gibt. Die nun wirklich winzige, nicht weit von Vilnius entfernte neu aufgebaute, ehemalige, mittelalterliche Hauptstadt von Litauen. Und die Sonne schien dann dort auch plötzlich, so dass zumindest hier ein paar Postkarten-Bildchen von der Wasserburg gemacht werden konnten. Aber auch von den bunten Häusern, sowie von diesem sehr interessanten Hausexemplar; mal sehen wann sowas auch bei uns wieder Mode wird.
Doch nicht nur architektonisch hat Litauen so einiges zu bieten! Nein, auch kulinarisch: zwar war das traditionelle Dinner etwas gewöhnungsbedürftig (ähnlich wie in Polen gab es gefüllte Kartoffeltaschen nur größer, doch die Käse-Kartoffelbällchen waren wirklich gut!), dafür aber nicht das andere Kartoffelprodukt: der Vodka. Und auch noch billiger als in Polen… Auch sehr zu empfehlen ist der Trejos Devynerios, ein dem Jägermeister nicht unähnliches Tröpfchen. Ach ja und die Clubs sind auch nicht zu verachten, d.h. zumindest der in dem wir waren: anfangs eher einem Theater (Eingangsbereich, Treppe, Garderobe) ähnelnd, dann einer Cocktailbar – und schließlich dann doch noch Club-ähnlich mit Tanzfläche und Sitzmöglichkeiten.
Aber man ist ja nicht nur zum Spaß in Litauen – die Kultur rief und so machten wir auf dem Rückweg am Montag noch im Grutas-Park Stop. Doch schon wieder war erstmal Spaß angesagt: eher einem amerikanischen (?) Vergnügungspark ähnelnd empfingen uns Kinderspielplatz, ein Lama, Hirsche und zahlreiche Schweinearten mit ihren Jungen. Erst im hinteren Teil des Parkes konnte man dann den eigentlichen Zweck des Parkes ausmachen: zwischen Büschen und Bäumen verteilt standen bewusst deplatziert zahlreiche Statuen von Lenin, Stalin, aber auch Marx und anderen “russischen Helden” die vormals in litauenschen Städten gestanden hatten und nun daran erinnern sollten. Klappt auch, wenn auch auf etwas groteske Weise.